Corona-News von Dr. Tonn

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Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat beschlossen, dass der Impfstoff von Astrazeneca trotz den sehr seltenen Hirnvenenthrombosen weiterhin für alle Altersgruppen zugelassen bleibt. Der Nutzen der Impfung wird dadurch nicht infrage gestellt, sondern sei größer als die Risiken.

Bei 34 Millionen Menschen, die mit dem Impfstoff von Astrazeneca bis 4. April in Europa geimpft wurden, traten 169 Fälle von Hirnvenen- und Sinusvenenthrombosen auf, von denen bis zum 22. März 18 zum Tode führten. Die meisten waren Frauen unter 60 Jahren. Bislang seien keine Risikofaktoren bekannt.

(Die STIKO empfiehlt AstraZeneca jedoch nur noch für Personen ≥ 60 Jahren, siehe unten bei 1.4.2021)

www.ema.europa.eu/en/news/astrazenecas-covid-19-vaccine-ema-finds-possible-link-very-rare-cases-unusual-blood-clots-low-blood

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI) mit aktuellen Informationen und einer sehr gute Zusammenfassung bezüglich der Hirnvenen- und Sinusvenenthrombose:

www.dgni.de

Studie aus dem New England Journal of Medicine: 180 Tage nach der 2. Dosis waren die Antikörpertiter noch sehr hoch.

In dieser Studie waren zwar nur 33 Teilnehmer und es wurden nur die Antikörpertiter gemessen, die Daten sind also bei weitem nicht so robust wie in der Veröffentlichung von BioNTech vom 1.4.2021, in der bei über 46.000 Teilnehmern auch gezeigt werden konnte, dass es nach 6 Monaten auch tatsächlich über 90% weniger Infektionen gab, aber diese Studie von Moderna zeigte andere wichtige Details:

Die Antikörpertiter 6 Monate nach 2. Impfung waren mehr als hundertfach höher als in Tests zur Virusneutralisation nötig waren. Die Halbwertszeit der Antikörper wird in dieser Studie, je nach Rechenmodell, zwischen 50 und 200 Tagen geschätzt. Es ist somit gut möglich, dass der Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 um ein Vielfaches länger als 6 Monate ist.

www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2103916

Zitat von Rechtsanwalt Marco A. Succu,
Quelle: MMK-Benefits von Prof. Kochen, 5.4.2021, kostenlos erhältlich durch eine E-Mail an:
mmk-benefits-subscribe@gwdg.de

Tipps von Dr. Tonn: Voraussetzungen, um eine 7. Dosis aus einem Vial (Stechampulle) zu bekommen:
1. Gute totraumreduzierte Spritze mit Spardorn (siehe Video „Impftechnik“ ab Min. 5:05)
2. Kurze, dünne Aufziehkanüle
3. Entlüften der Spritze ausschließlich während die Kanüle im Vial steckt

Laut Angaben von BioNTech ist nach einer noch nicht veröffentlichten Studie
– Die Impfstoffwirksamkeit 6 Monate nach der 2. Impfdosis bei über 90%
– Schwere Erkrankungen wurden zu 95 – 100% verhindert
– Der Impfschutz gegen die südafrikanischen Mutation B.1.351 scheint sehr gut zu sein

https://investors.biontech.de/news-releases/news-release-details/pfizer-and-biontech-confirm-high-efficacy-and-no-serious-safety

www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Vierte_Empfehlung_01042021_Download.pdf?__blob=publicationFile

AstraZeneca wird nur noch für Personen ≥ 60 Jahren empfohlen. „Der Einsatz der COVID-19 Vaccine AstraZeneca für eine erste oder zweite Impfstoffdosis unterhalb dieser Altersgrenze bleibt indes nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich.“

Bei unter 60-Jährigen, die einmalig bereits mit AstraZeneca geimpft wurden, empfiehlt die STIKO, die Auffrischimpfung 12 Wochen nach der Erstimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Pfizer oder Moderna) zu verabreichen

Impfabstände:
-6 Wochen bei beiden mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer und Moderna)
-12 Wochen bei AstraZeneca
-Die COVID-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson ist eine Einmalgabe

Priorisierung weiterhin nach dem Stufenplan der 6 Personengruppen. „Darüber hinaus sind Einzelfallentscheidungen möglich, wenn berufliche Tätigkeiten bzw. Lebensumstände mit einem nachvollziehbaren, unvermeidbar sehr hohen Infektionsrisiko einhergehen. Diese Öffnungsklausel darf nicht missbraucht werden…“

– Bei Gebrechlichen individuell entscheiden, ob sie impffähig sind oder ob die häufige Impfreaktion (Fieber, Schüttelfrost) bei ihnen lebensgefährlich sein könnte und deshalb auf eine Impfung verzichtet werden soll.

– Bei Schwangeren empfiehlt die STIKO die generelle Impfung nicht. „Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden.“

– In der Stillzeit liegen aktuell nur wenige Daten zur COVID-19-Impfung vor. „Die STIKO hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.“

– „Zu anderen planbaren Impfungen soll ein Mindestabstand von 14 Tagen vor und nach jeder COVID-19-Impfstoffdosis eingehalten werden (Notfallimpfungen sind davon ausgenommen).“

– Schnelltest vor Impfung ist nicht nötig

Nach PCR-gesicherter SARS-CoV-2-Infektion sollte frühestens nach 6 Monaten einmalig geimpft werden, da eine Schutzwirkung für mindestens 6 – 8 Monate nach Infektion besteht.  (Ausnahme: Personen mit eingeschränkter Immunfunktion, diese evtl. 2 x impfen)

– Falls ein Impfling nach der erster Impfung an SARS-CoV-2 erkrankt, dann soll die 2. Impfung erst 6 Monaten nach Genesung bzw. Diagnosestellung erwogen werden

–  „Die Impfung ist strikt intramuskulär (i. m.) und keinesfalls intradermal, subkutan oder intravaskulär zu verabreichen. Bei PatientInnen unter Antikoagulation soll die Impfung ebenfalls i. m. mit einer sehr feinen Injektionskanüle und einer anschließenden festen Kompression der Einstichstelle über mindestens 2 Minuten erfolgen.“

Aufklärungspflicht vor Schutzimpfungen: Die juristischen und bürokratischen Vorgaben (die im echten Leben meist jedoch individuell umgesetzt werden), sind nur für Interessierte zu lesen ab Seite 25:
www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/34_20.pdf?__blob=publicationFile

Laut Angaben von BioNTech wurde ihr Impfstoff in einer Studie an 2.260 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren gut vertragen, erzielte einen sehr hohen Antikörpertiter und kein Geimpfter erkrankte an COVID-19, im Gegensatz zu 18 Erkrankungen in der Placebogruppe. Ein Zulassungsantrag für diese Altersgruppe ist geplant und eine Studie mit jüngeren Kindern wurde begonnen.

https://investors.biontech.de/news-releases/news-release-details/pfizer-biontech-announce-positive-topline-results-pivotal-covid

Laut einer Studie, die im Lancet veröffentlicht ist, hat der Impfstoff von AstraZeneca gegen die britische Variante B.1.1.7 eine Wirksamkeit von 70%

www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00628-0/fulltext